Der Mensch soll vier Geschmacksempfindungen haben: süss, sauer, bitter und salzig.
Wo muss scharf eingeordnet werden?
Eine Chilischote löst doch sehr intensive Geschmacksempfindungen aus.

Intensiv ja, Geschmack nein. Die Schärfe der Chilischoten, ausgelöst durch den Stoff Capsaicin, wird nämlich nicht mit den Geschmacksknospen der Zunge wahrgenommen. Vielmehr bringt Capsaicin bestimmte Nervenzellen zum Feuern. Diese Zellen melden normalerweise Schmerzen ans Gehirn, wie sie etwa Verbrennungen auslösen. Und das ist es ja gerade, was man beim Genuss eines feurigen Chlili oder Curry empfindet. Brennen.

Die englischsprachige Welt wusste dies schon lange bevor der Capsaicin-Sensor 1997 entdeckt wurde. Daher benutzen Anglophone für «heiss» und «scharf» ein und dasselbe Wort, nämlich «hot».

Im Übrigen haben wir nicht vier sondern fünf Geschmacksempfindungen.
Zu den oben erwähnten gesellt sich der Umami-Geschmack (von Japanisch für Köstlichkeit), der vom als Geschmacksverstärker in Gewürzen verwendeten Glutamat herrührt. Er verleiht eiweisshaltiger Nahrung ihren herzhaften Geschmack.

«Scharf» ist also genau genommen kein Geschmacks-, sondern ein Schmerzempfinden. Da die Capsaicin-Sensoren vor allem auf den Schleimhäuten sitzen, nicht aber in Speiseröhre und Verdauungstrakt, brennen Chilis nach dem Schlucken nicht mehr. Erst beim Austritt aus dem Körper beginnt der Feuerzauber von Neuem, wie die Liebhaber mexikanischer und indischer Cuisine sicher wissen.

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